Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten

21. Februar 2018, Berlin

    

DER PREIS

Die gesundheitlichen Bedürfnisse von Milliarden von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Diagnostika, Medikamente und Impfstoffe gegen vernachlässigte Krankheiten wie zum Beispiel die Schlafkrankheit, Chagas oder Tuberkulose sind entweder überhaupt nicht vorhanden oder aber veraltet und ungeeignet für den Gebrauch in infrastrukturschwachen Gegenden.

Um auf diesen Notstand hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten ins Leben gerufen. Seit 2014 wird er einmal im Jahr für besonderes Engagement in der Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten in den Kategorien „Forschung und Entwicklung“, „Politischer Wille“ und „Journalismus“ verliehen.

Der Memento Journalistenpreis

Der Memento Journalistenpreis für vernachlässigte Krankheiten wurde im Jahr 2015 erstmals für herausragende Berichterstattung zum Thema vergeben. Gerade die Medienberichterstattung spielt eine wichtige Rolle darin, größere Aufmerksamkeit für vernachlässigte Krankheiten zu schaffen.

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Der Memento Politikpreis

In der Kategorie „Politischer Wille“ werden Personen in einer öffentlichen Funktion ausgezeichnet, die in den vorangegangenen zwei Jahren den bedeutsamsten Beitrag dazu geleistet haben, gute Voraussetzungen für die Erforschung vernachlässigter Krankheiten zu schaffen.

Der Memento Forschungspreis

In der Kategorie „Forschung und Entwicklung“ werden Forschungsaktivitäten ausgezeichnet, die mit öffentlichen deutschen Geldern finanziert und in den vorangegangenen 24 Monaten veröffentlicht wurden und den wichtigsten Beitrag zu Forschung und Entwicklung im Bereich vernach­lässigter Krankheiten darstellen.

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In Usbekistan verlieren Patienten ihr Gehör als Nebenwirkung der Standard-Behandlung von multiresistenter Tuberkulose, weil die zur Verfügung stehenden Antibiotika so alt und toxisch sind. In der Demokratischen Republik Kongo können Patienten nur schwierig auf die Schlafkrankheit untersucht werden, da die diagnostischen Verfahren eine Kühlkette benötigen, die vor Ort oft nicht zu gewährleisten ist.  Bei dem bisher größten Ebola-Ausbruch 2014,  stand die Welt mit leeren Händen da, um dem Virus zu begegnen - es gab keine geeigneten Impfungen und Medikamente. Dies sind nur einige Beispiele eines globalen Phänomens: Krankheiten, die Menschen in armen Ländern betreffen, nicht häufig auftreten und nicht dauerhaft behandelt werden müssen, werden von der Forschung extrem vernachlässigt, da sie keine hohen Gewinnaussichten bieten.

 

Für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten, wie bspw. Buruli Ulkus, Malaria, die Afrikanische Schlafkrankheit oder Tuberkulose sind Impfstoffe, Diagnostika, und Therapiemöglichkeiten oft ungeeignet, mangelhaft oder existieren nicht.

 

Gibt es sie doch, sind sie häufig nicht in den klimatischen und strukturellen Gegebenheiten nutzbar, nicht für pädiatrische Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten oder für die Betroffenen bezahlbar.

Die Forschung und Entwicklung (F&E) durch Pharmaunternehmen basiert vorrangig auf Patenten, die nur dann wirksame Anreize setzen, wenn die Produkte am Ende zu hohen Preisen verkauft werden können. Die betroffenen Menschen verfügen jedoch oft nicht über die nötige Kaufkraft, um den Anreiz der Pharmaindustrie nach hohen Profiten und Gewinnen zu erfüllen. Statt nach den größten medizinischen Bedürfnissen zu handeln, orientiert sich die biomedizinische F&E an den größten Gewinnaussichten.

 

Das wollen wir ändern und haben den Memento-Preis ins Leben gerufen: Mit dem Memento-Preis zeichnen wir besonderes Engagement in den Bereichen Politik, Forschung und Journalismus zu vernachlässigten Krankheiten aus. So wollen wir auf die Situation von Menschen weltweit aufmerksam machen, für die es keine adäquate Prävention oder Therapie gibt und den Zugang zu medizinischen Produkten für alle Menschen weltweit verbessern. 

 
DAS MEMENTO BÜNDNIS

Während Millionen Menschen weltweit an einer vernachlässigten Krankheit leiden, wird in die Forschung und Entwicklung von Medikamenten gegen diese Krankheiten kaum investiert. Denn die Betroffenen sind meist arm und stellen für Unternehmen der Pharmaindustrie keinen lukrativen Absatzmarkt dar. Das Memento Bündnis möchte auf diesen Zustand aufmerksam machen. Zu den Mitgliedern gehören Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V..

Schon bevor sich das Bündnis Memento 2014 zusammenschloss, arbeiteten die beteiligten Organisationen seit vielen Jahren im Einzelnen und auch vielfach zusammen zum Thema vernachlässigte Krankheiten und dem Zugang zu medizinischen Produkten für alle Menschen weltweit. Aus dem gemeinsamen Kampf ist die Idee entstanden, das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen und mehr Engagement auch von anderen zu motivieren. Deshalb vergibt das Bündnis jährlich den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten an Menschen aus Politik, Forschung und Journalismus, die sich auf besondere Weise für das Thema stark machen und so einen wertvollen Beitrag leisten.

Mehr über das Memento-Bündnis

GALERIE

Fotos der Preisverleihung 2017