Der Memento Forschungspreis

Mit dem Memento Preis zeichnen wir besonderes Engagement in den Bereichen Politik, Forschung und Journalismus zu vernachlässigten Gesundheitsbedürfnissen von Menschen in ärmeren Ländern aus. Wir treten dafür ein, dass Menschen weltweit die Gesundheitsversorgung bekommen, die sie benötigen und dies zu Preisen, die sie bezahlen können. Nur so kann das Menschenrecht auf Gesundheit verwirklicht werden.

Ausgezeichnet werden beim Memento Forschungspreis die Aktivitäten, die einen wichtigen Beitrag leisten bei der Erforschung und Entwicklung von vorbeugenden Maßnahmen, Diagnostika und Therapien zu vernachlässigten Gesundheitsbedürfnissen in ärmeren Ländern. Der Forschungspreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die gesundheitlichen Bedürfnisse insbesondere von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Für zahlreiche Krankheiten gibt es keine brauchbaren Impfstoffe, Diagnostika oder Medikamente, obwohl viele Menschen sie dringend benötigen. Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten wie Lepra, Tuberkulose aber auch Ebola und die steigende Zahl von Antibiotikaresistenzen sind Beispiele dafür. Wenn es doch Präparate gibt, sind diese oft veraltet oder ungeeignet für den Gebrauch in infrastrukturschwachen Gegenden und extremen klimatischen Bedingungen – oder wie im Falle von Hepatitis C oder Krebs häufig viel zu teuer.

Krankheiten, die Menschen in Armut betreffen, nicht häufig auftreten oder nur kurzzeitig behandelt werden müssen, werden von der kommerziellen Forschung oft vernachlässigt. Sie passen schlichtweg nicht zum Interesse der Pharmaindustrie an hohen Verkaufszahlen und hohen Profiten. Auch die von Firmen gesetzten Preise orientieren sich letztlich nicht an den tatsächlichen Forschungskosten, sondern daran, was der Markt hergibt.

Um auf diese gravierenden Herausforderungen hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, BUKO Pharma-Kampagne und DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis ins Leben gerufen.

 

Die Jury

Dr. Sodiomon Bienvenu Sirima

Dr. Sodiomon Bienvenu Sirima

Geschäftsführer der Groupe de Recherche Action en Santé (GRAS). Koordinator des MIMVaC-Africa-Konsortiums, Geschäftsführender Direktor des Centre National de Recherche et de Formation sur le Paludisme (CNRFP) in Ouagadougou, Burkina Faso (seit 2009), Mitglied der MIM Task Force, Experte für Malaria Home Management bei der WHO/TDR, Experte bei der WHO Initiative für Impfstoffforschung, Mitglied im Scientific Committee of the African Malaria Network Trust (AMANET). Von 1995 bis 2002 Leiter des CNRFP Research and Training Department, 1993 Master in Epidemiology (Burkina Faso), 1997 Master of Socio-anthropology (Burkina Faso), 2002 PhD in Epidemology (Rom/Italien).

Dr. Jayne Sutherland

Dr. Jayne Sutherland

Head of TB Research bei der Medical Research Council Unit (MRC Unit) in Gambia, Associate Professor of Infectious Diseases and Tropical Medicine an der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Studium und erste Projekte in der Krebsforschung in Großbritannien und Australien. 2006 Umzug nach Gambia und Beginn der Tuberkulose-Forschung. Die Arbeitsplattform zu Tuberkulose der MRC Unit existiert seit 20 Jahren, Forschungsschwerpunkte sind Biomarker, Entwicklung von Diagnostika und Koinfektionen (auch mit SARS-CoV-2).

Prof. Dr. Harriet Mayanja-Kizza

Prof. Dr. Harriet Mayanja-Kizza

Professor of internal Medicine am Makerere University College of Health Sciences (Uganda), Council Member der Uganda National Academy of Sciences (UNAS) von 2019-2022. 2001-2009 Leitung der Abteilung für Innere Medizin und bis 2015 Dekanin der School of Medicine Makerere University. Sie war Mitglied mehrerer Data Safety Monitoring Boards im Kontext der TB, HIV und Malaria-Forschung sowie Mitglied mehrere Advisory Boards (u.a. GC12 Tuberculosis vaccine external advisory board, joint JCRC-Faculty of Medicine COHRE ICHORTA faculty, WHO TB vaccines working group, Stop TB working group). Ihr Forschungsinteresse gilt vor allem den Infektionskrankheiten und der Immunologie, einschließlich Pathogenese und Diagnose von TB und HIV-Koinfektionen sowie der Malaria Immuno-Epidemiologie.

Prof. Dr. August Stich

Prof. Dr. August Stich

Chefarzt der Tropenmedizin am Klinikum Würzburg Mitte gGmbH. Studium und Ausbildung in Würzburg, Wien, London, Liverpool und Heidelberg. Habilitation an der Universität Würzburg 2005, seit 2004 Chefarzt der Tropenmedizin. Berufliche Auslandsaufenthalte als Tropenarzt, Wissenschaftler und Fachberater, u.a. in Zimbabwe, Somalia, Tansania, Kambodscha und Angola. Wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Malaria, Schlafkrankheit, Bilharziose. Mitarbeit in zahlreichen Gremien und Organisationen, insbesondere dem MI Würzburg (seit 2008 erster Vorsitzender), der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (seit 2009 Vizepräsident), DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (seit 2008 im Vorstand) und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. 

Die PreisträgerInnen

2020

Der Memento Forschungspreis 2020 ging an Dr. rer. nat. Anke Osterloh vom Forschungszentrum Borstel und PD Dr. med. Christian Keller vom Universitätsklinikum Marburg. Die Jury würdigte damit ihr Engagement für die Forschung zu Rickettsien in Asien und Afrika. Sie entwickeln mit neuen Labormodellen innovative Ansätze für Therapien und für eine Impfung gegen Rickettsien-Infektionen wie Fleckfieber.

2019

Der Memento Forschungspreis 2019 ging an Prof. Dr. Jürgen May vom Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die Jury zeichnete sein Engagement für die Forschung zu Fieberkrankheiten in Afrika aus. Prof. Dr. May und seine Arbeitsgruppe untersuchten, ob PatientInnen, die Symptome von Malaria zeigen, tatsächlich an der durch Parasiten übertragenen Erkrankung leiden oder eine andere Infektionskrankheit haben.

2018

2018 ging der Memento Forschungspreis an Prof. Dr. Martina Sester von der Universität des Saarlandes und Prof. Dr. Dr. Christoph Lange vom Forschungszentrum Borstel. Die Jury würdigte damit das Engagement der beiden WissenschaftlerInnen für die Bekämpfung von Tuberkulose (TB). Im Forschungsnetzwerk TBnet setzen sich Sester und Lange dafür ein, die Gesundheitsversorgung von Menschen, die von Tuberkulose betroffen sind, europaweit zu verbessern.

2017

Der Memento Forschungspreis ging 2017 an Dr. Dr. Carsten Köhler und Prof. Dr. Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin der Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Jury würdigte damit den Beitrag der beiden Wissenschaftler zu einer verbesserten Therapie schwerer Malariaverläufe. Die Wissenschaftler konnten in klinischen Studien zeigen, dass das Medikament Artesunat nur dreimal intramuskulär verabreicht werden muss, um seine volle Wirkung zu entfalten. Gerade in Kontexten, in denen sehr viele Kinder gleichzeitig gegen schwere Malaria behandelt werden müssen, macht ein derart verkürztes und vereinfachtes Behandlungsregime viel aus, so die Jury.

2016

2016 erhielten Prof. Dr. Klaus Brehm und sein Team vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg den Memento Forschungspreis. Die Jury würdigte damit den Beitrag, den die Forschungsergebnisse für die Entwicklung einer wirksamen Therapie gegen Bandwurm-Infektionen leisteten. Brehm und Team war es gelungen, das Genom des Fuchsbandwurms entschlüsseln. Aufgrund jener Erkenntnisse können Zielstrukturen ausfindig gemacht werden, die als Angriffspunkte für Medikamente gegen Bandwurmerkrankungen besonders geeignet sind.

Mitglieder des Teams waren Monika Bergmann, Dirk Radloff, Dr. Markus Spiliotis, Michaela Herz; Raphael Duvoisin, Ilka Wittstock, Julian Krickl sowie ehemalige Mitarbeiter Dr. Uriel Koziol und Dr. Justin Nono.

2015

Den Memento Forschungspreis 2015 erhielt die Arbeitsgruppe um Prof. Achim Hörauf vom Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie (IMMIP), Universitäts-Klinikum Bonn. Die Jury würdigte damit die Entwicklung eines neuen Therapiekonzeptes gegen lymphatische Filariose (Elephantiasis), eine vernachlässigte Fadenwurmerkrankung, an der weltweit mehr als 150 Millionen Menschen leiden und die zu schmerzhaften und extremen Schwellungen der Gliedmaßen führt.

Mitglieder der Arbeitsgruppe waren: Prof. Dr. Achim Hörauf, Dr. Kenneth Pfarr, Dr. Andrea Schiefer, Dr. Sabine Specht, Dr. Ute Klarmann-Schulz, Dr. Sabine Mand und Dr. Alexander Yaw Debrah (Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi, Ghana).

2014

Den Memento Forschungspreis 2014 erhielten Prof. Dr. med. Gisela Bretzel und Dr. med. Marcus Beißner von der LMU München für ihre Forschung zu Lepra und Buruli-Ulkus. Ihr Forschungsprojekt leistete einen sehr innovativen Beitrag zur Bekämpfung vernachlässigter Mykobakterien-Erkrankungen in West-Afrika. Dank aktiver Fallfindung, rechtzeitiger Diagnose und gezielter Chemotherapie gelang es dem Forschungsteam, das Leben vieler PatientInnen deutlich zu verbessern, so die Würdigung der Jury.

Bewerbung

Kriterien

Kriterien für die Bewerbung:

  • Nur Forschungsprojekte, die mit öffentlichen deutschen Geldern finanziert und deren Ergebnisse 2018-2021 publiziert wurden, kommen in Betracht.
  • Die Forschungsgruppe bzw. die Forscherin oder der Forscher ist in Deutschland angesiedelt. Möglich und gewünscht sind auch deutsch-internationale Partnerschaften.
  • Möglich sind: Grundlagenforschung, klinische Studien, Anwendungsforschung, epidemiologische Studien.
  • Die Forschungsergebnisse sollten der allgemeinen Öffentlichkeit gut zu vermitteln und beispielhaft für die Ziele des Memento-Preises sein, d.h. Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Menschen in ärmeren Ländern und Impulse für Veränderungen schaffen.
  • Wünschenswert ist darüber hinaus, dass die eingereichte Arbeit dazu beiträgt, dass Forschung stärker dem Geist der Kooperation und Kollaboration entspricht und durch offenen Austausch (beispielsweise von geistigem Eigentum, Wirkstoffen, Forschungs- und Studienergebnissen) die medizinische Entwicklung beschleunigt wird und sichergestellt werden kann, dass der zu prämierende Forschungsbeitrag zu einem für alle Menschen bezahlbaren Produkt führt.

Im Fokus der Forschung sollen vernachlässigte Gesundheitsbedürfnisse stehen. Diese beziehen sich auf:

  • vernachlässigte Krankheiten (entsprechend der offiziellen WHO-Liste),
  • armutsassoziierte Erkrankungen z.B. Lassa, Tuberkulose, Malaria,
  • vernachlässigte Aspekte von Krankheiten, zu denen eigentlich umfangreicher geforscht wird, z.B. HIV/Aids bei Kindern und
  • weitere Krankheiten, die zwar viele Menschen betreffen, für die aber keine adäquaten Präparate entwickelt werden, bspw. zu antimikrobiellen Resistenzen.

Kennzeichnend hierfür sind vor allem drei Aspekte:

1. Das vernachlässigte Gesundheitsbedürfnis betrifft vor allem Menschen in ärmeren Ländern.
2. Es gibt eine Forschungslücke und es braucht dringend neue Medikamente, Impfungen oder Diagnostika.
3. Es besteht ein Marktversagen, da kommerzielle Aspekte für die Entwicklung der benötigten neuen Produkte nicht greifen.

Bewerbungsunterlagen

Die Bewerbungsphase für den Memento Preis 2021 in der Kategorie Forschung ist beendet.

Bei Rückfragen zur Bewerbung wenden Sie sich gerne an das Memento-Bündnis.