DER MEMENTO FORSCHUNGSPREIS

Mit dem Memento Preis zeichnen wir besonderes Engagement in den Bereichen Politik, Forschung und Journalismus zu vernachlässigten Gesundheitsbedürfnissen von Menschen in ärmeren Ländern aus. Wir treten dafür ein, dass Menschen weltweit die Gesundheitsversorgung bekommen, die sie benötigen und dies zu Preisen, die sie bezahlen können. Nur so kann das Menschenrecht auf Gesundheit verwirklicht werden.

Ausgezeichnet werden beim Memento Forschungspreis die Aktivitäten, die einen wichtigen Beitrag leisten bei der Erforschung und Entwicklung von vorbeugenden Maßnahmen, Diagnostika und Therapien zu vernachlässigten Gesundheitsbedürfnissen in ärmeren Ländern. Der Forschungspreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die gesundheitlichen Bedürfnisse insbesondere von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Für zahlreiche Krankheiten gibt es keine brauchbaren Impfstoffe, Diagnostika oder Medikamente, obwohl viele Menschen sie dringend benötigen. Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten wie Lepra, Tuberkulose aber auch Ebola und die steigende Zahl von Antibiotikaresistenzen sind Beispiele dafür. Wenn es doch Präparate gibt, sind diese oft veraltet oder ungeeignet für den Gebrauch in infrastrukturschwachen Gegenden und extremen klimatischen Bedingungen – oder wie im Falle von Hepatitis C oder Krebs häufig viel zu teuer.

Krankheiten, die Menschen in Armut betreffen, nicht häufig auftreten oder nur kurzzeitig behandelt werden müssen, werden von der kommerziellen Forschung oft vernachlässigt. Sie passen schlichtweg nicht zum Interesse der Pharmaindustrie an hohen Verkaufszahlen und hohen Profiten. Auch die von Firmen gesetzten Preise orientieren sich letztlich nicht an den tatsächlichen Forschungskosten, sondern daran, was der Markt hergibt.

Um auf diese gravierenden Herausforderungen hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, BUKO Pharma-Kampagne und DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis ins Leben gerufen.

Kriterien für die Bewerbung:

  • Nur Forschungsprojekte, die mit öffentlichen deutschen Geldern finanziert und deren Ergebnisse 2017-2019 publiziert wurden, kommen in Betracht.
  • Die Forschungsgruppe bzw. die Forscherin oder der Forscher ist in Deutschland angesiedelt. Möglich und gewünscht sind auch deutsch-internationale Partnerschaften.
  • Möglich sind: Grundlagenforschung, klinische Studien, Anwendungsforschung, epidemiologische Studien.
  • Die Forschungsergebnisse sollten der allgemeinen Öffentlichkeit gut zu vermitteln und beispielhaft für die Ziele des Memento-Preises sein, d.h. Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Menschen in ärmeren Ländern und Impulse für Veränderungen schaffen.
  • Wünschenswert ist darüber hinaus, dass die eingereichte Arbeit dazu beiträgt, dass Forschung stärker dem Geist der Kooperation und Kollaboration entspricht und durch offenen Austausch (beispielsweise von geistigem Eigentum, Wirkstoffen, Forschungs- und Studienergebnissen) die medizinische Entwicklung beschleunigt wird und sichergestellt werden kann, dass der zu prämierende Forschungsbeitrag zu einem für alle Menschen bezahlbaren Produkt führt.

 

Im Fokus der Forschung sollen vernachlässigte Gesundheitsbedürfnisse stehen. Diese beziehen sich auf:

  • vernachlässigte Krankheiten (entsprechend der offiziellen WHO-Liste),
  • armutsassoziierte Erkrankungen z.B. Lassa, Tuberkulose, Malaria,
  • vernachlässigte Aspekte von Krankheiten, zu denen eigentlich umfangreicher geforscht wird, z.B. HIV/Aids bei Kindern und
  • weitere Krankheiten, die zwar viele Menschen betreffen, für die aber keine adäquaten Präparate entwickelt werden, bspw. zu antimikrobiellen Resistenzen.

 

Kennzeichnend hierfür sind vor allem drei Aspekte:

  1. Das vernachlässigte Gesundheitsbedürfnis betrifft vor allem Menschen in ärmeren Ländern.
  2. Es gibt eine Forschungslücke und es braucht dringend neue Medikamente, Impfungen oder Diagnostika.
  3. Es besteht ein Marktversagen, da kommerzielle Aspekte für die Entwicklung der benötigten neuen Produkte nicht greifen.

 

Bitte senden Sie Ihren Bewerbungsbogen (Submission Form Memento 2020) bis zum 17. November 2019 via E-Mail an bewerbung@memento-preis.de.

Bei Rückfragen zur Bewerbung wenden Sie sich gerne an das Memento-Bündnis, ebenfalls unter bewerbung@memento-preis.de.

 

Die PreisträgerInnen werden von einer renommierten internationalen Jury ausgewählt. 

Die Jury

Die PreisträgerInnen

2019

Der Memento Forschungspreis für vernachlässigte Krankheiten geht dieses Jahr an Prof. Dr. Jürgen May vom Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die Jury würdigt damit das Engagement des Wissenschaftlers für die Forschung zu Fieberkrankheiten in Afrika. Prof. May und seine Arbeitsgruppe untersuchen, ob PatientInnen, die Symptome von Malaria zeigen, tatsächlich an der durch Parasiten übertragenen Erkrankung leiden oder eine andere Infektionskrankheit haben.

2018
Der Memento Forschungspreis für vernachlässigte Krankheiten geht dieses Jahr an Prof. Dr. Martina Sester von der Universität des Saarlandes und Prof. Dr. Dr. Christoph Lange vom Forschungszentrum Borstel. Die Jury würdigt damit das Engagement der beiden WissenschaftlerInnen für die Bekämpfung von Tuberkulose (TB). Im Forschungsnetzwerk TBnet setzen sich Sester und Lange dafür ein, die Gesundheitsversorgung von Menschen, die von TB betroffen sind, europaweit zu verbessern.
2017
Der Memento Forschungspreis für vernachlässigte Krankheiten geht dieses Jahr an Dr. Dr. Carsten Köhler und Prof. Dr. Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin der Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Jury würdigt damit den Beitrag der beiden Wissenschaftler zu einer verbesserten Therapie schwerer Malariaverläufe. „Herr Köhler und Herr Kremsner konnten in klinischen Studien zeigen, dass das Medikament Artesunat nur dreimal intramuskulär verabreicht werden muss, um seine volle Wirkung zu entfalten“ sagt der Jury-Vorsitzende Prof. Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. „Bereits nach 24 Stunden waren bei 80 Prozent der Patienten 99 Prozent der Parasiten eliminiert. Gerade in Kontexten, in denen oft sehr viele Kinder gleichzeitig gegen schwere Malaria behandelt werden müssen, macht ein derart verkürztes und vereinfachtes Behandlungsregime viel aus.“
2016

Prof. Brehm und sein Team vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg erhalten den Memento Forschungspreis 2016. Die Jury unter Vorsitz von Prof. Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie würdigt damit den herausragenden Beitrag, den die Forschungsergebnisse Brehms für die Entwicklung einer wirksamen Therapie gegen Bandwurm-Infektionen leisten. Brehm und seinem Team ist es gelungen, das Genom des Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) zu entschlüsseln. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse können Zielstrukturen ausfindig gemacht werden, die als Angriffspunkte für Medikamente gegen Bandwurmerkrankungen besonders geeignet sind. In Deutschland infizieren sich rund 50 Menschen pro Jahr mit dem Fuchsbandwurm, in Teilen Asiens sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Viel verbreiteter ist der Hundebandwurm, mit dem in ärmeren Ländern Millionen Menschen infiziert sind. Unbehandelt enden Bandwurm-Infektionen meist tödlich.

Mitglieder des Teams sind Monika Bergmann, Dirk Radloff, Dr. Markus Spiliotis, Michaela Herz; Raphael Duvoisin, Ilka Wittstock, Julian Krickl sowie ehemalige Mitarbeiter Dr. Uriel Koziol und Dr. Justin Nono.

Laudatio von Prof. Stefan Kaufmann zum Memento Preis 2016

2015
Den Memento Forschungspreis 2015 erhielt die Arbeitsgruppe um Prof. Achim Hörauf vom Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie (IMMIP), Universitäts-Klinikum Bonn. Die Jury würdigt damit die Entwicklung eines neuen Therapiekonzeptes gegen lymphatische Filariose (Elephantiasis), eine vernachlässigte Fadenwurmerkrankung, an der weltweit mehr als 150 Millionen Menschen leiden und die zu schmerzhaften und extremen Schwellungen der Gliedmaßen führt. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind: Prof. Dr. Achim Hörauf, Dr. Kenneth Pfarr, Dr. Andrea Schiefer, Dr. Sabine Specht, Dr. Ute Klarmann-Schulz, Dr. Sabine Mand und Dr. Alexander Yaw Debrah (Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi, Ghana)
2014
Den Memento Forschungspreis 2014 erhalten Prof. Dr. med. Gisela Bretzel und Dr. med. Marcus Beißner von der LMU München für ihre Forschung zu Lepra und Buruli-Ulkus. Ihr Forschungsprojekt leistet einen sehr innovativen Beitrag zur Bekämpfung vernachlässigter Mykobakterien-Erkrankungen in West-Afrika. Dank aktiver Fallfindung, rechtzeitiger Diagnose und gezielter Chemotherapie gelingt es dem Forschungsteam, das Leben vieler PatientInnen deutlich zu verbessern, so die Würdigung der Jury.